Fachtagung Familie heute

Familie heute 2026: Familie und Gesellschaft im Wandel

Was brauchen Familien für ein demokratisches Miteinander und den sozialen Zusammenhalt?

30.11.2026, 10:00 Uhr - 16:30 Uhr in der Akademie des Sports, Hannover

Tagungsbeitrag: 49 € (inkl. Imbiss)

Familien stehen inmitten gesellschaftlicher Umbrüche: Individualisierung, Digitalisierung, ökonomischer Druck, Migration, Wertewandel, demografische Veränderungen – all das verändert familiäre Lebensrealitäten. Gleichzeitig sind Familien zentrale Orte der Sozialisation und potenzielle „Keimzellen“ demokratischer Bildung. Wie wirken sich gesellschaftliche Spannungen auf den innerfamiliären Zusammenhalt aus? Welche Rolle spielt die Familie im gesellschaftlichen Miteinander – und wie kann Bildung zur Stärkung des demokratischen Miteinanders beitragen?

Diese Fragen wollen wir im Rahmen des vierten Fachtags in der Reihe „Familie heute“ diskutieren. Wir freuen uns auf den Austausch mit Fachkräften aus unterschiedlichen Bildungskontexten (z.B. Familien- und Erwachsenenbildung, Gemeinwesenarbeit, Väter- und Männerarbeit, Frühe Hilfen, Jugendamt, Fachberatung, Kinderschutz, Gleichstellungsarbeit u.a.).

Tagesprogramm

Tagungsablauf

9:30 Uhr         Ankommen und Anmeldung

10:00 Uhr        Begrüßung / Einführung

Grußwort: Dr. Andreas Philippi, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung  

10:30 Uhr        Impulse: 

Die Mitte-Studie: Wie politische Einstellungen in Familien entstehen

Rechtsextreme Einstellungen und autoritäre Deutungen sind kein Randphänomen – sie werden alltagsnah und oft schon früh erworben. Der Vortrag nimmt dies zum Anlass, die Familie als zentrale Sozialisationsinstanz neu zu vermessen. Wie werden politische Orientierungen in der Familie weitergegeben, welche Rolle spielen Erziehungsstile und gesellschaftliche Krisenerfahrungen, und wie gelangt dabei der Rechtsextremismus in die Mitte? 

Nico Mokros hat Erziehungswissenschaft und Psychologie studiert, koordiniert als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung und forscht u.a. zu Entstehungsbedingungen von Vorurteilen und Rechtsextremismus in Familien

 

Demokratie von Anfang an: Impulse für entwicklungsorientierte Präventionsansätze

Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention gelingt, wenn sie zur richtigen Zeit und passend zur kindlichen Entwicklung stattfindet. Die Forschung hat dazu spannende Empfehlungen für die Praxis entwickelt.  

Dr. Kirsten Minder ist wissenschaftliche Referentin beim Landespräventionsrat Niedersachsen und koordiniert das Landesprogramm „Demokratie und Menschenrechte“. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der Radikalisierungsprävention, Demokratieförderung sowie der Vernetzung von Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft.

11:30 Uhr        Perspektiven im Dialog  

12:00 Uhr        Improtheater mit Dorit David und Thomas Jäkel von Hannover98 

                        Theater zum Mitentscheiden, spontane Szenen zum Thema

12:30 Uhr        Mittagspause mit Demokratiemenü 

Die Demokratiemenü-Gastgebenden:

AWO Familienbildung Hannover - Der Kinderschutzbund – Landesverband Niedersachsen e.V  - Elterntalk Niedersachsen - Landespräventionsrat Niedersachsen - Mehrgenerationenhaus Familienzentrum KESS e.V. - MigrantenElternNetzwerk Niedersachsen (MEN) - Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V. (nifbe) - Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. -Rucksack / Griffbereit (Landeskoordination Niedersachsen) - T:REX_Transformative Jugendbildung gegen Rechtsextremismus (VNB)- wellcome Praktische Hilfe nach der Geburt (Landeskoordination Niedersachsen) - u.a.

14:00 Uhr        Workshops (eine ausführliche Beschreibung s.u.)

  1. Identität stärken – Demokratie schützen, Sebastian Ramnitz (Bildungsreferent und Berater in der Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention)
  2. Demokratie-Fitness: Trainiere deine Haltung, Anne Dänner und Roland Mylog (Bildungswerk Mehr Demokratie)
  3. Die Springerstiefel der Väter, die geflochtenen Zöpfe der Mütter?, Referententeam der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus und für Demokratie in Niedersachsen
  4. Familie im Feed, Charlotte Lohmann (Bildungsreferentin für Medienkompetenz und digitale Demokratie)

15:30 Uhr       Kaffeepause

15:45 Uhr       Demokratie im Alltag stärken

16:15 Uhr       Veranstaltungsende

Moderation: Dunja Rose

Freuen Sie sich außerdem auf eine Poster-Ausstellung von Projekten aus ganz Niedersachsen! 

 

Die Workshops

Familie ist der erste Ort der Identitätsbildung – hier werden Werte geprägt und im besten Fall demokratische Haltungen gelernt. 

Was heißt es für pädagogische Fachkräfte, wenn sie feststellen, dass familiäre Wertvorstellungen demokratischen Prinzipien widersprechen? Wie lässt sich mit Loyalitätskonflikten umgehen, ohne Eltern zu stigmatisieren – und wie kann Demokratie im Alltag erfahrbar werden, ohne pädagogische Grenzen zu überschreiten? Das Modell der 5 Säulen der Identität (nach Hilarion Petzold) bietet hierfür einen niedrigschwelligen, nicht moralisierenden Analyse- und Handlungsrahmen, der für pädagogische Fachkräfte gut vermittelbar ist.

Der Workshop verbindet fachliche Einordnung mit praxisnaher Reflexion und stärkt die Sicherheit im demokratischen Handeln im Kontakt mit Familien. 

 

Sebastian Ramnitz ist Erzieher und Mitbegründer eines Vereins gegen Rassismus. Er arbeitet selbständig als Bildungsreferent und Berater in der Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention. Darüber hinaus ist er als Supervisor, Organisationsentwickler und Organisationsmediator tätig. 

Ein Demokratie-Fitness-Training nach dem langjährig erprobten Konzept aus Dänemark dauert 30 Minuten. In dieser kurzen, intensiven Einheit durchlaufen die Teilnehmenden verschiedene Übungen, die gezielt einen der zehn „Demokratie-Muskeln“ stärken – etwa den Empathie-, Kompromiss- oder Neugier-Muskel. Die Übungen sind interaktiv, beziehen Körper und Gefühle mit ein und fördern sowohl Selbstreflexion als auch Dialog mit anderen. Das Training ist bewusst niedrigschwellig gestaltet, leicht verständlich und soll zeigen, dass Demokratie auch Spaß machen kann. Am Ende steht immer eine Reflexionsrunde zur Bedeutung der geübten Fähigkeiten für den Alltag – sei es in Schule, Beruf, Nachbarschaft oder Familie.

Anne Dänner (Leitung des Bildungswerks Mehr Demokratie und seit 2024 Demokratie-Fitness-Trainerin)
…hat bei bei Mehr Demokratie e.V. 17 Jahre lang die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geleitet und u.a. drei bundesweite Bürgerrats-Projekte begleitet. 
Aktuell baut sie die School of Participation mit auf und engagiert sich für die Verbreitung innovativer Beteiligungsformate wie Demokratie-Fitness in Deutschland.
Roland Mylog (Mitarbeiter Bildungswerk Mehr Demokratie und seit 2025 Demokratie-Fitness-Trainer)
…hat langjährige Erfahrung sowie eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation, ist zertifizierter Mediator und aktiv in einem ehrenamtlichen Mediationsprojekt in Berlin. Seit Anfang 2025 ist er für Administration, Community-Management und strategische Planung verantwortlicher Mitarbeiter beim Bildungswerk Mehr Demokratie, koordiniert die Etablierung von Demokratie-Fitness in Deutschland und arbeitet mit am Aufbau der School of Participation.

Workshop zur Auseinandersetzung mit Familien- und Rollenbildern im antidemokratischen Spektrum 

Politische Ideologien prägen nicht nur Einstellungen, sondern können auch Einfluss auf das Familienleben und die Erziehung von Kindern und Jugendlichen nehmen. In bestimmten Milieus zeigen sich dabei traditionelle Rollenverständnisse, starke Gemeinschaftsorientierungen und autoritär geprägte Erziehungsstile, die mit demokratischen Grundwerten in Spannung stehen und Fachkräfte vor besondere Herausforderungen stellen können.

Dieser Workshop bietet Raum autoritäre und rechtsextreme Familien- und Rollenbilder zu analysieren und deren Wirkungsweisen besser zu verstehen. Gemeinsam beleuchten wir, wie sich demokratiegefährdende Haltungen im Alltag äußern und welche Handlungsmöglichkeiten pädagogische Fachkräfte im professionellen Kontext haben. Zudem wird der Umgang mit möglichen Einflussversuchen von Eltern thematisiert.

 Inhalte des Workshops:

1.         Familien- und Geschlechterbilder im autoritären Spektrum im Überblick 

2.         Erziehung, Sozialisation und Identitätsangebote in antidemokratischen Milieus 

3.         Fallbezogene Reflexion: Begegnungen aus der Praxis 

4.         Handlungsstrategien und Haltungsfragen für die Beratungsarbeit und die Auseinandersetzung in 

Der Workshop richtet sich an Fachkräfte aus Sozialer Arbeit, Beratung, Pädagogik und verwandten Feldern, die in ihrer Arbeit mit dem Thema Rechtsextremismus in Kontakt kommen.

Referententeam der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus und für Demokratie in Niedersachsen

HINWEIS: Die Referenten behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen, völkischen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen, völkischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Jegliche Film- Ton- und/oder Videoaufnahmen sind nicht erlaubt.

Social Media ist längst Teil des Familienalltags – und beeinflusst maßgeblich, wie wir Informationen aufnehmen, Meinungen bilden und über gesellschaftliche Themen sprechen. Plattformen wie TikTok, Instagram oder Telegram vermitteln Inhalte oft emotional, verkürzt und algorithmisch gefiltert. So entstehen unterschiedliche Informationswelten, die auch innerhalb von Familien zu Missverständnissen, Spannungen oder Konflikten führen können.

Der Workshop beleuchtet, wie digitale Medienprozesse politische Meinungsbildung prägen und welche Auswirkungen das auf das demokratische Miteinander im familiären Kontext hat. Dabei geht es sowohl um Risiken – etwa Polarisierung, Vereinfachung und Desinformation – als auch um Chancen für Austausch, Beteiligung und gemeinsame Lernprozesse.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Familien trotz unterschiedlicher Perspektiven im Gespräch bleiben können: Wie lassen sich kontroverse Themen konstruktiv verhandeln? Welche Kompetenzen braucht es für eine reflektierte Mediennutzung und demokratische Gesprächskultur? Und wie kann Familie als Ort demokratischer Bildung gestärkt werden?

Der Workshop bietet Raum für Austausch, Reflexion und praxisnahe Impulse.

Charlotte Lohmann ist Bildungsreferentin für Medienkompetenz und digitale Demokratie

Anmeldung 

Hier können Sie sich direkt in unserer Online-Datenbank anmelden.

Bitte geben Sie bei der Anmeldung unter Bemerkung Ihren Workshop-Wunsch an!

 

Ansprechpartnerin:

Christel Wolf (0511 300 330-334, wolf@aewb-nds.de)